FUSSBALLJUGEND DES FC MAINBURG VON ZAROS-BESUCH BEGEISTERT

Neben Fussballbegeisterung auch Interesse für Kretas Kultur

Die A-Jugend des FC Mainburg besuchte die Mainburger Partnerstadt Zaros in der Gemeinde Festos auf Kreta. Neben einem sportlichen Vergleich und einigen Trainigseinheiten waren verschiedene Besuche am nahen Meer sowie ein Kennlernen der kretischen Gastfreundschaft und Kultur angesagt. Begleitet wurden die Jugendlichen von Trainer Roman Ring mit Tochter Sarah, dem Ehepaar Schlemmer als Organisatoren, der Familie Zieglmeier/Stadler, Konrad Pöppel vom FC Förderverein und FC-Vorstand Dieter Finke. Zusätzlich waren die Stadtstrandmacher Christoph Schlemmer und Markus Stanglmeier (stellv. FC-Vorstand) mit den Unterstützern Christian Heckmeier und „Tobi“ Lars gleichzeitig im nahen Matala. Ein Highlight war der Tag am Meer unter dem Motto „Stadtstrand Mainburg in Matala“.

Der Reisebericht beginnt mit der Busfahrt zum Flughafen München am Montag, den 26. März zusammen mit Bürgern aus der anderen Mainburger Partnerstadt Morija/Japan. Der Flug nach Iraklion, Kretas Hauptstadt war unspektakulär und auch die Übernahme der 3 Kleinbusse für die Reisegesellschaft ging zügig. Nach 50 min Nachtfahrt war das Ziel, die Pension Keramos in Zaros, erreicht. Es wurde schnell eingecheckt, weil alle gut Hunger hatten und in der Taverne Vengera von Wirtin „Vivi“ mit Mutter Irini das Essen schon wartete. Zum ersten Mal erlebten alle die kretische Gastfreundschaft mit sehr guter, schmackhafter Kost und für die Erwachsenen neben etwas Wein auch dem ständig gereichten „Raki“ oder wie die Leute vor Ort sagen „Ratschi“, einem Grappa, den viele in Zaros selber herstellen – immer mit einem etwas anderen Geschmack.

Der Bürgermeister von Zaros, Zacharias Kalkadakis und Geschäftstellenleiter Giorgos Filakdakis begrüßten die Gäste. Mit Ihrem guten Englisch führte Vivi neben der Bedienung der Gäste durch das Gespräch und erklärte nebenbei auch, dass „Sa Russ“ wie die älteren Einheimischen zu Zaros sagen „Viel Wasser“ bedeutet. Warum das so ist, dazu kommen wir später.

Zaros ist mit knapp 72 qkm etwas größer in der Fläche als Mainburg, die Einwohnerzahl ist aber mit 3 000 deutlich geringer. Zaros ist eine Gemeindeuntergliederung von Festos (griechisch: Φαιστός) mit einer eigenen Gemeindeverwaltung. Die Hauptgemeinde Festos – nach der sehr bedeutenden minoischen Ausgrabungsstätte Phaistos benannt – hat ihre Verwaltung im etwa 10 km entfernten Mires, das in der fruchtbaren Messara-Ebene liegt. Die Hauptgemeinde hat eine Landfläche von 412 qkm bei 11 400 Einwohnern mit einer etwa 50 km langen Küste. Während der Hauptreisezeit hat Kreta 5 Millionen Urlauber bei 620 000 Einwohnern – auf jeden Einwohner kommen also 8 Urlauber.

Am ersten Morgen war das typisch kretische Frühstück spät angesetzt und wer Lust hatte konnte vorher joggen oder sich den Ort mit oder ohne Kamera ansehen. Beeindruckend ist die Lage des Ortes in etwa 400 bis 500 m Höhe am Fuße des Psiloritis-Massivs. Vom tiefsten Punkt des Gemeindeteils beim Stausee Limni Faneromenis geht es hinauf bis zu einem 1 917 m hohen Gipfel. Nach dem familiären Tagesbeginn stand der Empfang im lokalen Rathaus mit gehisster Mainburg-Fahne inklusive eines zweiten Frühstücks und Raki an. Überrascht waren alle von der in kürzester Zeit gebackenen Torte für Geburtstagskind Matthias Stadler bei dem Empfang. Für ein gutes Erscheinungsbild sorgten auch die speziell angefertigten von der Gabelsberger Apotheke gesponsorten T-Shirts. In Sichtweite des Rathauses ist das Fußballstadion mit Kunstrasen in traumhafter Lage, das von den Jugendlichen gleich nach dem Empfang inspiziert wurde. Der Mainburger Umweltreferent Konrad Pöppel hatte da eher ein Auge auf den botanisch interessanten Felshang unterhalb des Stadions, auf dem er eine nur auf Kreta vorkommende Wildtulpe ablichtete.

Während der am Nachmittag angesetzten Trainingseinheit konnten die Betreuer die örtliche Umgebung erkunden. Ein Teil wagte sich in die tief eingeschnittene Rouvas-Schlucht mit interessanter Geologie und Vegetation, in der leider kaum Wasser vom Gebirgsbach zu sehen war. In der Schlucht war auch ein Platanenvorkommen am natürlichen Standort zu bewundern, eine Baumart, die zuletzt häufig auch in Mainburg gepflanzt wurde.

Schon am Spätnachmittag gab es ein kleines Fußballturnier mit der Jugendmannschaft des FC Zaros und einer Seniorenmannschaft aus Kamares. Wie es sich gehört endeten die Spiele für die FC Jugend jeweils mit Unentschieden. Zaros schaffte mit einem Sieg über Kamares den Turniersieg. Für die Zuschauer war es mit 5 Grad über Null schon sehr kalt und alle hatten ein großes Wärmebedürfnis gepaart mit einem Bärenhunger. In der angenehm warm geheizten Taverne „Votomos“ beim „Idi-Hotel“ gab es bei sehr guter Stimmung ein vorzügliches Essen mit Forellen aus der angegliederten Forellenzucht. Da die Saison erst später eröffnet wird, hat man für die Gäste aus Mainburg schnell mal die Küche vorab geöffnet.

Für den Mittwoch war morgens eine Trainingseinheit angesetzt. Anschließend begab man sich gespannt zur 1980 gegründeten Wasserfabrik, in der in sehr gutem Englisch alles rund um die Wasserabfüllung erklärt wurde. Es handelt sich um eine Art Genossenschaft der Bürger von Zaros. Erklärt wurde, dass von jeder Familie min. 1 Mitarbeiter in der Fabrik beschäftigt ist. Sehr stolz ist man auf die Auszeichnung in 2017 als bestes Wasser in der Kategorie „Bottled Natural Mineral Water“ vergeben beim größten internationalen Wassertest in Berkerley Springs/USA . Exzellent ist das Wasser in seiner physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Qualität.

Das Regenwasser braucht 3 Jahre um durch das Gestein am Wasserreservoir von Zaros in 403 m über NN zur Entnahme zu kommen. Das Reservoir wird mit etwa 400 Kubikmeter pro Stunde gespeist. Davon werden ca. 100 Kubikmeter entnommen, wobei der Anteil jetzt um 20 % gesteigert werden soll. Der Rest fließt dem Speichersee Limni Faneromenis über viele durch Zaros führende kleine Kanäle zu. 15 % wird derzeit exportiert mit steigender Tendenz. Auch in Deutschland wird abgefülltes Zaros-Wasser vermarktet. Nach der sehr interessanten Führung durch die Abfüllanlage gab es noch für jeden ein T-Shirt der Zaros-Wasserfabrik.

Neben Wasser wird viel Olivenöl, aber auch Gemüse, Sultaninen und etwas Wein produziert.

Es folgte eine kleine Rundfahrt am Fuße des Psilotiris-Massivs mit Halt am Kloster Vrondisi, wo die Mönche die Jugendlichen mit Getränken versorgten. Dann über die Dörfer Voriza, das im 2.ten Weltkrieg von der Wehrmacht dem Erdboden gleich gemacht wurde, und Kamares auf ein kleines mit einer Ruine ausgestattetes Plateau südlich vom Dorf Grigoria mit wunderbarem Blick auf die Messara-Ebene und hinaus auf das Meer.

Nach der Rückkehr zum Hotel konnte jeder die Zeit bis zum Abendessen für sich nutzen. Eine Gruppe begab sich nach Plouti zum Weingut Zacharioudakis. Ohne Anmeldung war leider eine Weinverkostung außerhalb der Saison nicht möglich. Dafür durfte man einen Spaziergang durch die Weinberge begleitet von einer erstaunlichen Pflanzenvielfalt mit wunderbarem Blick auf die Messara-Ebene und das Meer erleben. Im Anschluss wurde noch die Ausgrabungsstätte Gortis besucht, in der unter römischer Herrschaft 300 000 Einwohner lebten. Es wurden ein paar Becher einheimische, zuckersüße Erdbeeren vom Straßenverkauf für den Rest der Reisegruppe mitgebracht. Während des opulenten kretischen Abendessens bei „Vivi“ war alles schon in Vorfreude auf den anstehenden Tagesausflug nach Rethymon.

Das Frühstück wurde pünktlich eingenommen und die Fahrt vom Süden in den Norden der Insel durch eine eindrucksvolle Gebirgslandschaft begann. Nach gut eineinhalb Stunden wurden die Fahrzeuge am Parkplatz nahe des Hafens in dieser schönen und geschichtsträchtigen Stadt abgestellt.

Dem Schlendern durch den Venezianischen Hafen folgte ein gemütlicher Frühschoppen mit Blick auf das bewegte Meer. Endlich wurde es spürbar wärmer. Gestärkt erforschten alle die engen Gassen des Stadtzentrums am Hafen. Einige besuchten die ehemalige Festung Fortezza, andere warfen einen Blick in das archäologische Museum und fast jeder gönnte sich ein leckeres Eis.

Am Nachmittag ging es zurück über die Gartenstadt Spili mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel zum schön in den Fels gebauten Touristendorf Agia Galini auf der Südseite der Insel. Dort traf man sich ein erstes Mal mit dem „Stadtstrandteam“ zum wieder vorzüglichen Abendessen. Die Nacht war schon angebrochen, als die Heimfahrt nach Zaros angetreten wurde.

Es war plötzlich Freitag. Auf dem Plan stand der Strand von Kalamaki. Die Lufttemperatur hatte sich die letzten Tage deutlich erwärmt. Das Meer aber war mit etwa sechzehn Grad doch kühl, aber alle mussten ins Wasser, manche sogar öfter und auch lange. Der Großteil der Gruppe verbrachte einen Strandtag und nahm in einem der wenigen schon geöffneten Lokale hervorragenden Fisch zu sich. Eine kleine Gruppe fuhr zum archäologischen Highlight der Großgemeinde, zur Ausgrabungsstätte von Phaistos – nach Knossos die wichtigste minoische Grabungsstätte. Die Minoer hatten auf Kreta die erste europäische Hochkultur, die um 1 450 vor Christus aus noch nicht erforschten Gründen unterging. Berühmt ist eine bedruckte Scheibe aus dieser Zeit. Der Diskos stellt den ersten bekannten „Druck mit beweglichen Lettern“ der Menschheit dar, in dem Sinne, dass zum ersten Mal ein kompletter Textkörper mit wiederverwendbaren Zeichen produziert wurde. Leider ist der Inhalt bis jetzt noch nicht entziffert. Nach einem guten Ziegengericht auf dem schönen Dorfplatz von Sivas fuhr die Gruppe noch zur Schlucht Agio Farango und traf sich dann wieder mit den Sonnenanbetern.

Am Spätnachmittag ging es zurück zur Pension Keramos. Zu Abend gegessen wurde diesmal in der Pizzeria am Ort. Diejenigen, die eine kretische Pizza probieren wollten, wurden auch nicht enttäuscht. Mit den einheimischen Gästen wurde spontan wieder Raki getrunken und einige gingen schnell nach Hause, um Gastgeschenke wie Quittenkompott  zu holen, das zu dem gereichten Joghurt ein leckerer Nachtisch war.

Mit dem Wochenende stand der Besuch von Bürgermeister Giorgos Armoudakis der Großgemeinde im Rathaus von Mires an. Die gesamte Reisegruppe wurde dort freundlich mit einem zweiten Frühstück empfangen. In den gehaltenen Reden wurde auch intensiv auf die Partnerschaft mit Mainburg eingegangen. FC-Vorstand Dieter Finke bedankte sich sehr für die herausragende Gastfreundschaft und Inge Schlemmer überbrachte Grüße und Geschenke von Mainburgs Bürgermeister Sepp Reiser. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass die Jugendlichen von der Stadt einen Reisezuschuss bekommen haben. Für Betroffenheit sorgte ein großes Bild im Rathaussaal, in dem Wehrmachtsverbrechen vor Ort während des 2. Weltkriegs thematisiert sind.

Nach der Verabschiedung wurde der Markt in Mires durchwandert. Es fand sich auch das eine oder andere Mitbringsel. Die Optik des ausgestellten Gemüses war sehenswert. In Erinnerung bleiben die wirklich großen Erdbeeren, die auch noch intensiv nach Erdbeeren rochen und schmeckten.

Nach dem Besuch einer Kafenia ging es weiter nach Matala. Dort war schon alles für diesen Strandtag organisiert. Es bot sich bei der Ankunft ein Panorama mit blauem Meer, in dem die vorgelagerten Paximadia-Inseln standen. In der Ferne waren sowohl die Weißen Berge als auch das Psiloritis-Massiv mit Schnee bedeckt zu sehen – einfach schön. Dafür hatten die vielen Arbeiter in fast allen Lokalen keinen Blick, denn die Vorbereitung auf die Saison lief in vollen Touren. Nur wenige Lokale hatten schon geöffnet.

Die Jugendlichen wanderten durch felsiges Gelände in eine benachbarte Bucht zum „Red-Beach“, um den Nachmittag dort unbeschwert zu verbringen. Auch Klippenspringen war angesagt. Das Abendessen war dann im Lokal „Alexis Zorbas“ in Matala. Der Sonnenuntergang verzauberte mit seinen Rottönen die Stimmung, was später in die Romantik der beleuchteten Höhlen überging.

Nach dem gemeinsamen Abendessen zog es auch die Jugendlichen unter Aufsicht in eine Bar am Marktplatz. Pünktlich um 23.00 Uhr hieß es dann aber Abschied nehmen vom Meer.

Trotz des für manchen anstrengenden Abend war für Sonntag-Vormittag ein Training angesetzt.

FC-Vorstand Dieter Finke nutzte das für eine Wanderung in die Rouvas- Schlucht. Sein Partner Konrad Pöppel wollte ihn am Endpunkt „Kapelle Agios Ionnis“ in knapp 1000 m Höhe abholen. Die beiden kalkulierten nicht, dass vom 1 300 m hohen Pass – eine atemberaubende Serpentinenstrecke führt hier hoch – die Straße nach unten für Normalfahrzeuge nicht befahrbar war und in der Schlucht auch kein Handyempfang herrschte. Am Ende trafen sich dann aber alle Begleiter bei Altbürgermeister Ioannis Zacharioudakis, wo unter anderem zu Ziegenhaxen Raki gereicht wurde.

Vorbei am Marktplatz mit einer Menge für den Sonntag üblichen Biker bei Vivi und der gegenüberliegenden Kafenia begab man sich mit viel Vorfreude zum Fußballheimspiel Zaros gegen den Tabellennachbarn, einer Mannschaft aus der Regionshauptstadt Iraklion, das mit viel Zuschaueremotion und trotz der lautstarken Mainburger Unterstützung 1:1 endete. Zaros ist derzeit 8.ter in der Regionsliga mit 20 Mannschaften.

Zum gemeinsamen letzten Abendessen zusammen mit dem „Stadtstrand-Team“ wurden die Reiseteilnehmer zur „Vivi“ eingeladen. Wieder gab es eine Geburtstagstorte, diesmal für Sepp Schlemmer, der 63 wurde.

Es ging allen sehr gut.

Mit Anbruch des letzten Reisetags war noch einmal „Einkaufen“ angesagt. Leider waren die Koffer alle schon randvoll gepackt und es mussten trotzdem noch kurzfristig überreichte Geschenke der Freunde aus Zaros hineingezwängt werden. Von Geschäftsstellenleiter Giorgos Filakdakis waren alle zu seinem großen Olivenhain mit großzügigem Gartenhaus eingeladen. Bewirtet von der gesamten Familie gab es neben Gemüse, Früchten und kretischem Gebäck auch Ziege und Kaninchen. Fehlen durfte auch etwas Wein und ein letzter Raki nicht. In der Nähe gab es noch ein paar Blicke auf „Wasserhöhlen“, von denen die Römer schon Aquädukte zur Wasserversorgung in die Messara-Ebene legten. Ein letztes Geschenkeset mit Wein, Honig, Oliven und Kräutern wurde überreicht. Um 17.00 hieß es dann „Abfahrt“ zum 50 km entfernten Flughafen Iraklion“. Gegen Mitternacht waren dann wieder alle wohlbehalten in Mainburg.